Archiv für August 2012

Lieber Ridley Scott,

ganz ehrlich, ich mochte Deinen Alien Film sehr gerne. Da hast es damals geschafft, mit wenig Mitteln eine bedrohliche Stimmung zu erzeugen und hast nebenbei auch wirklich gute Figuren erschaffen. Ripley wird für mich immer die starke, emanzipierte Frau sein, da sie die erste war, die ich im Fernsehen sah, die sich alleine einer übermächtigen Bedrohung stellt und überlebt. Sogar mit dem Androiden Ash hatte ich damals Mitleid, so gut waren die Dialoge und das Drehbuch. Das war 1979.

2012 servierst Du mir im Kino einen Biologen, der erst mal zurück auf sein Schiff will, als die Mannschaft im außerirdischen Artefakt angekommen, humanoide Wesen findet. Klar – was könnte einen Biologen auch mehr langweilen als die Entdeckung außerirdischen Lebens, noch dazu intelligenten Lebens, das humanoid ist? Ganz ehrlich, lieber Ridley, ich weiss garnicht wo ich anfangen soll. Da betreten die Forscher einen Raum auf dessen Boden sich Würmer tummeln und keiner bemerkt das! Ein echter Biologe wäre aus dem Häuschen gewesen! „Stopp! Keinen Schritt weiter! Seht euch die Würmer an! Ich muss unbedingt einen mitnehmen und ihn auf dem Schiff untersuchen!“ sagt er nicht. Er sagt nichts dazu. In Deinem Film „Prometheus“ schließt er sich dafür aber dem noch gelangweilteren Geologen (der garnichts macht außer seine Haarpracht zu präsentieren) an, der alles nur langweilig und nervig findet, um sich dann in einem Korridor, der exakt in ZWEI Richtungen führt zu verlaufen. Natürlich stellen die zwei auch keinen Funkkontakt zu ihrem Schiff her, das ja eine Karte des Artefakts (sogar in 3D!) hat um zu fragen, wie sie denn wieder nach Hause kommen. Dafür schafft es dann genau dieser Biologe sich in paar Minuten später so unglaublich dämlich zu verhalten, dass mir da schlicht nichts mehr einfällt. OK, den ängstlichen Biologen überfällt beim Anblick einer merkwürdigen Alienschlange dann eben doch noch die Neugier. Besser spät als nie, dachte ich in meinem Kinosessel. Warum um alles in der Welt er diese dann unbedingt anfassen muss, bleibt das ewige Rätsel der Drehbuchautoren Jon Spaihts und Daniel Lindelof.

Überhaupt Wissenschaftler. Dem „Geologen“ hättest Du einfach auch nur ein Namensschildchen mit der Aufschrift „Geologe“ verpassen können. Keinen Satz, kein Wort, nichts, darf er zu den jahrtausendealten Bauten sagen, auf die die Crew der Promotheus stößt. Die Doktoren Elisabeth Shaw (die Christina Schröder kompatible Version von Ellen Ripley) und ihr Freund, dessen Namen ich vergessen habe, sind auch so ein Fall – worin haben die ihren Doktor? Ich tippe auf klassische Rollenverteilung. Selten wurde eine Figur im Kino so blass gelassen wie der Freund von Shaw: Da entdeckt er eine uralte, intelligente Außerirdischenrasse auf einem fremden Planeten, die seine wirklich abstruse Theorie bestätigt und er ist -Trommelwirbel- enttäuscht und säuft sich mit einem Dackelblick im Gesicht einen an. Wieso, weshalb, warum? Das erfährt man später: Er wollte so gerne mit seinen Schöpfern, den „Konstrukteuren“, reden. Aha. Man sollte doch annehmen, dass man auf eine milliardenteure Expedition ins Ungewisse nur interessierte Koryphäen mitnimmt. In der Zukunft hat der Kapitalismus aber wohl den Menschen sämtliches Interesse ausgetrieben und, wie der „Geologe“ tatsächlich betont, geht man auf die Suche nach der Wiege der Menschheit nur „wegen der Kohle“. Das sind keine Wissenschaftler, das ist eine Bande Teenager auf Crack.

Es wäre ja alles nicht so dermaßen ärgerlich, wenn es einfach von vorne bis hinten Dreck wäre. Aber Dein Film fängt ja stark an – der seltsame Opfertod des außeridischen Wesens am Anfang hat mich neugierig gemacht. Die Bilder sind schön, die Tricks sehr gut. Über die ersten wirklich dämlichen Lücken und haarsträubenden Fehler im Drehbuch schaute man gerne weg. Aber igrendwann geht es einfach nicht mehr. Manchmal dachte ich, dass Drehbuchautor James Lindenlof einfach zurück in die Phase gefallen ist, als er die Drehbücher für die letzten „Lost“ Staffeln verbrochen hat, es hat nut noch gefehlt, dass ein Eisbär durch die Korridore des Alienartefakts wandelt. Mochtest Du die letzte „Lost“ Staffel etwa? Nichts wird erklärt, noch nicht mal angedeutet wird es. Gut, auch das kann man machen – es macht aber auch einfach keinen Spaß zu raten oder zu interpretieren, da die Figuren auf der Leinwand so eindimensional bleiben. Ich konnte mich eher in das Konstrukteur-Alien einfühlen, das nach jahrtausendelangem Schlaf angepisst ist, da es von irgendwelchem Gewürm geweckt wird, als in die menschlichen Figuren.

So viel hast Du verschenkt. So viel hätte man mit einfachen Dialogfetzen retten können. Einen Satz zur DNA hätte den Biologen als Biologen erscheinen lassen. Einmal hätte der Geologe was zum Gesteinszeugs im Alienbau sagen können, anstatt nur rumzunerven. Ein wenig mehr zur Mythologie hätte man zeigen oder erwähnen können: Bilder der sixtinischen Kapelle, Zitate zu den zahlreich vorhandenen literarischen Bearbeitungen des Prometheusmythos (warum nicht mal Goethe?), an Schöpfermythen und -geschichten mangelt es ja nicht. Wenn man schon kreationistischen Mist verzapft, kann man sogar das noch spannender und besser machen.

Was bleibt ist eine wahrlich zeitgenössische Ripley, die sich ohne ihre bessere Hälfte nicht ins All traut, natürlich religiös sein muss und als einzigen emanzipatorischen Akt eine Abtreibung an sich selbst durchführt, eine Reihe von Knallchargen die flache Figuren mimen, die so zahlreich sind, dass man sich irgendwann fragt, wie viele denn da noch rumspringen um im Frachtfraum uninspiriert hingemetzelt zu werden und warum man ein Raumschiff mit Menschen ohne erkennbare Funktion vollstopft und letztlich die Frage, Hegel hilf, was das denn alles soll.

Wenn DAS die Zukunft der Menschheit sein soll, dann kann man eigentlich nur hoffen, dass Du im wohl unweigerlich folgenden zweiten Teil dieses Blödsinns die Konstrukteuere mehr Erfolg bei der Auslöschung der Menschheit haben lassen wirst.

Selten hat mich ein Film dermaßen geärgert.

Deine Gehirnschnecke

Arische Bereitschaft

Das hier wundert mich nicht. Was mich allerdings wundert ist die Tatsache, dass man unbedingt in zwei rassistischen Vereinen Mitglied sein muss. Hat man in Schwäbisch Hall so viel Zeit? Offensichtlich gibts im Schwäbischen nicht genug „Linke“, die man verprügeln kann und auch das Ausländerterrorisieren hat man hier erfolgreich durch Outsourcing aus der Hand gegeben. Da kann es einem als Bereitschaftspolizisten schon mal langweilig werden.

Was mich verwundert ist die Verwunderung darüber, dass die zwei weissen Ritter noch im Dienst sind. Wo sollen sie denn sonst sein? Beim KKK sind sie doch ausgestiegen.