Richard David Precht: Die Elf ist der Führer

Richard David Precht (Bestseller: „Wer bin ich? Keine Ahnung, aber eins ist sicher, sowas wie einen Klassenkampf kenn ich nicht!“) hat ein Interview gegeben. Um Fußball soll es dabei gehen und darüber, dass Frauen diesen angeblich zivilisiert haben. Aber natürlich geht es Richard David Precht nur am Rande um das komische Spiel mit dem Ball, ihm geht es eigentlich um den „Party-Otrismus“. Die Message ist ganz klar: Der deutsche Patriotismus ist heute total okay! So harmlos wie die Loveparade oder ein großes Konzert (von Freiwild). Interessant wird es dann hier:

Interessant ist, dass wir uns ja mit einem Land nicht wirklich identifizieren können. Ich kann mich mit meiner Familie identifizieren, mit meinem Freundeskreis oder auch mit dem Stadtteil, in dem ich lebe. Aber wie soll sich zum Beispiel eine Bäckersfrau aus Ludwigshafen mit einem Professor aus Oldenburg identifizieren? Beide erleben sich nicht als Teil einer Gemeinschaft. Ein Land, gar eine Nation mit über 80 Millionen Menschen, ist eine abstrakte Größe. Damit kann man sich nicht identifizieren, deshalb schlägt der Patriotismus naturgegeben auch immer über die Stränge, wird kitschig und pathetisch. Wenn wir uns aber mit den Spielern auf dem Platz identifizieren, so nehmen wir einen Umweg, um uns mit etwas zu verbinden, was eigentlich zu groß für uns ist. Um im Fachjargon zu sprechen: Die Elf auf dem Rasen sind eine metonymische Verkürzung dessen, was Deutschland ist.“

Genau, Herr Precht, mit sowas GROSSEM wie Deutschland kann man sich nicht identifizieren, da brauchts schon eine Nationalelf. Metonymisch bedeutet dabei, dass der Begriff „Deutschland“ auf die „Nationalelf“ übertragen wird. Also so ähnlich wie damals, als das mit „Deutschland“ und „Hitler“ der Fall war. Da war Adolf Hitler die „metonymische Verkürzung“ dessen, was Deutschland ist.

Du bist Deutschland

Da kommen dann auch wieder die Bäckersfrau aus Ludwigshafen und der Professor aus Oldenburg zusammen. Denn dass die beiden zusammen kommen müssen, steht für Richard David Precht völlig außer Frage – Klassen kennt er nicht und daher muss eben eine „metonymische Verkürzung“ den Professor und die Bäckersfrau zusammenbringen. Deutschland „light“ statt Klassenkampf – Hauptsache Volksgemeinschaft.

Und natürlich ist es da auch völlig unbedenklich wenn deutsche Fußballfans (also „Party-Otren“) in Polen „Schlachtgesänge“ dieser Art gröhlen: „Hurra, hurra, die Deutschen, die sind da“. Oder „Gott mit uns“ Banner entrollen. Denn damit, Herr Precht, machen die Deutschen ja nur folgendes: „Wir (!) arbeiten Frust, Feindseligkeiten und andere angestaute Emotionen beim Fußball-Schauen ab. Das macht die Gesellschaft friedfertiger.“

Zumindest die Gesellschaft (oder besser Gemeinschaft, Herr Precht?) in Deutschland. Für richtige Deutsche. Die gefälligst auch aufstehen, wenn sie Deutsche sind und man es ihnen befiehlt. Ansonsten sollen sie sich natürlich verpissen aus diesem „wunderschönen Land“, egal ob Bäckersfrau oder Professor.


5 Antworten auf „Richard David Precht: Die Elf ist der Führer“


  1. 1 Der Galaktische General 23. Juni 2012 um 14:00 Uhr

    Ich muss Dich leider korrigieren. Der Beststeller von Precht heißt „Wer bin ich und warum schreibe ich so schlechte Bücher“.
    Der Titel könnte aber auch so wie von Dir fingiert lauten :-)
    „Die Ausbeutung des Menschen erreicht eine neue Qualität“,
    H

  2. 2 gehirnschnecke 23. Juni 2012 um 14:06 Uhr

    Precht Ruprecht…

  3. 3 Der Typ, der sich "der Administrator" nennt 29. Juni 2012 um 17:40 Uhr

    Alles Quatsch, das Buch heißt korrekt „Warum bin ich und wer hat mir ins Gehirn geschissen?“

  4. 4 gehirnschnecke 30. Juni 2012 um 11:42 Uhr

    Nachtrag zum friedlichen (weil weiblich gezähmten!) Partyotrismus:

    http://blog.tagesschau.de/2012/06/29/durfte-zamperoni-lacheln/

  5. 5 Der Galaktische General 01. Juli 2012 um 9:24 Uhr

    Oh mein Gott, hab das mit dem Zamperoni gar nicht mitbekommen. Mir wird übel…dieser beschissene Mob.

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