Archiv für Mai 2012

Was ist Salonkommunismus?

„Salonkommunismus“ wird vom politischen Feind eigentlich stets als abwertender Begriff verwendet. Darüber, wann denn jemand als Salonkommunist zu gelten habe, gibt es allerdings auch keine Einigkeit: So orakelt der denk- aber leider nicht schreibfaule Richard Wagner auf der notorischen „Achse des Guten“: „Salonkommunisten sind Zyniker, sie genießen die ihnen zugefallene Macht.“ Das online Wörterbuch „dict.md“ gibt diese Definition an: „Salonkommunismus Definition: [1] abwertend: Begriff, um jemandem Sympathie für eine kommunistischen Gesellschaftsordnung zu unterstellen. Schließt mit ein, dass die Sympathie vorgetäuscht sei, reale Bedingungen dieser Gesellschaftsform aber ignoriert.“
Der Blogger „Octavian“ erklärt den Salonkommunismus unter der Überschrift „Der Salonkommunismus kommt wieder schwer in Mode“ so: „Die Töchter und Söhne der bundesrepublikanischen oberen Mittelschichten lesen Marx und möchten uns die Gesellschaft zukünftig wieder aus dem Blickwinkel von Vorgstern erklären. Es ist ein Zeichen von Dekadenz, kein Zweifel.“
Richtig lustig wirds hier (Achtung! Das ist ein Forum! Ich hab euch gewarnt!):

Früher war ich überzeugte Kommunistin, trotzdem ich aus einem sehr bürgerlichen Haushalt komme und Marx‘ Sein-Bewusstsein-Theorie schon hier nicht greift.
Die ökonomische Gleichheit und die politische Freiheit, die ich anstrebte, mochte niemand mit mir teilen. Es gibt kein Proletariat, welches aus opportunen oder verständlichen Gründen befreit werden möchte.
Deswegen schlage ich den Weg des Salonkommunismus ein, um aus opportunistischen und narzisstischen Gründen mich selbst zu unterstützen und zu heroisieren. [Blablabla] Denn erst Ungleichheit schafft Konkurrenzgedanken und somit Evolution, Entwicklung, wirtschaftlichen Aufschwung. Warum soll man Menschen nicht unterdrücken, die sich so gerne fesseln und verführen lassen?“

So bescheuert die jeweiligen Autoren auch sein mögen, in zumindest einem Punkt sind sie sich mehr oder weniger einig: Ein Salonkommunist sei ein Kommunist, der den Kommunismus eigentlich nicht unbedingt nötig hat, da er soweiso schon „besseren“ Kreisen (bürgerlicher Haushault) entspringt. Er erklärt sich dann aber dennoch zum Kommunisten, um entweder die Welt zu erklären oder Macht über andere (Bürgerliche) zu erlangen, selbstverständlich glaubt er aber nicht selbst an die Segnungen des Kommunismus. Ein Salonkommunist ist also eingentlich kein richtiger Kommunist, sondern ein Betrüger.

Der Kampf für das Richtige ist auch immer ein Kampf über die Deutungshoheit über Begriffe. Homosexuelle wurden einst als „Schwule“ beschimpft, bis sie den Begriff für sich einnahmen und positiv umdeuteten. Interessant ist auch, dass CDU-Hintlerbänkler, die vor kurzem erst noch Lötzsch für die Verwendung des Wortes „Kommunismus“ steinigen wollten, heute ihren Gegner einen Maoismus-Vorwurf ans Bein binden müssen, um im Blätterwald noch ein Rascheln auszulösen.1 Offensichtlich reicht der Vorwurf, jemand sei ein „Kommunist“ nicht mehr aus, um ihn ausreichend zu diskreditieren. Daher finden sich immer mehr Netz-Maoisten, Stalinisten und Salonkommunisten in den Medien.

Warum sich also selbst als Salonkommunist bezeichnen? Nun, da es einige Fortschritte bei der Rückeroberung des Begriffes „Kommunismus“ gab, gilt es nun die anderen Schmähbegriffe zu erobern und positiv zu besetzen. Wie ist aber der Vorwurf zu begreifen, Salonkommunisten hätten dem Kommunismus eigentlich selbst nicht nötig? Zu diesem unsinnigen Vorwurf zitiere ich D. Dath:

Solche Menschen [bürgerliche Sozialisten] denken radikal demokratisch nicht aus Jux und Humanismus, sondern weil sie wissen, daß Gesellschaften, in denen die Mehrheit unmündig, elend und schlecht erzogen ist, erfahrungsgemäß dazu neigen, beim erstbesten Versorgungs- oder Raumordnungsengpaß in blutige allgemeine Angstbeißerei abzurutschen.“2

Auch die Bürgerstochter und das Bürgersöhnchen brauchen den Kommunismus. Im bürgerlichen Staat ist keiner wirklich sicher und keiner wirlich glücklich. Im Gegensatz zu anderen Mitgliedern der Bourgeoisie weiß der Salonkommunist, dass ihn kein dickes Auto mit Schießschartenfenstern, keine Alarmanlage und kein schweizer Nummernkonto retten kann.

Daher trifft der Vorwurf, Salonkommunisten seien im Grunde genommen keine richtigen Kommunisten, da sie für ihre Gegner nicht zu dem gezählt werden dürfen, was sie fälschlicherweise unter Proletariat verstehen, auch nicht zu. Es stimmt zwar, dass Salonkommunisten nicht Kommunisten aus materieller Not heraus sind, doch sind Salonkommunisten Kommunisten, weil sie in ihren Elfenbeintürmen, Salons, Eigenheimen und Villen kapiert haben, dass nur der Kommunismus eine Zukunft für sie und die Menschheit bereit hält.

Salonkommunisten sind in erster Linie Kommunisten und sollten stets stolz sein, wenn man sie entsprechend bezeichnet. Wird das dann auch noch von liberalen oder völkischen Spinnern abwerten gemeint – um so besser!

  1. Ansgar Heveling, CDU Hinterbänkler, nannte Internetnutzer vor einigen Monaten „digitale Maoisten“ [zurück]
  2. D. Dath „Maschinenwinter“, S. 11 [zurück]

Gruppenbild ohne Krawatte 2

nettere Primaten mit mehr Gehirn.

(Ich konnte den Anblick der Deppen auf meinem Blog nicht länger ertragen, und da ich Schimpansen sehr gerne hab, schau ich mir lieber eine Gruppe von Schimpansen an)

Gruppenbild ohne Krawatte

Ohne Gehirn

…und ohne Gehirn…